Zentrale Kläranlage, Würmsee, Trunnenmoor Drucken


Die Stadt plant, die Abwässer aller Ortschaften außer Oldhorst und Fuhrberg in einer westlich Großburgwedel gelegenen zentralen Kläranlage zu reinigen. Die WWB begrüßt diesen Plan, macht sich aber auch Gedanken über Chancen und Risiken dieses Vorhabens.

Brief an den Bürgermeister der Stadt Burgwedel

Betr.: Antrag gemäß Geschäftsordnung
Wettmar, den 18.06.2011

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,


In der letzten Sitzung des Tiefbau- und Umweltausschusses wurde deutlich, dass die bei der Klärung der kommunalen Abwässer in der neuen Kläranlage frei werdende Energierohstoffe (Faulgase) ungenutzt in die Umwelt entlassen werden sollen. Die Verwaltung hat bislang nicht geprüft, ob diese Energiequelle wirtschaftlich genutzt werden kann. Ich bitte, dieses im Rahmen der geplanten Studie zur Energieoptimierung nachholen zu lassen.

Begründung: Die Kläranlage ist der größte Energieverbraucher auf kommunaler Ebene. Nach Literaturangaben könnten bis zu 35% dieser Energie eingespart werden, wenn die Faulgase verstromt würden (s. Anlage). Das Beispiel Kläranlage Erkelenz zeigt, dass eine solche Maßnahme wirtschaftlich sein kann. Die Nutzung der Faulgase würde darüberhinaus die CO2-Bilanz unserer Kläranlage deutlich verbessern (kein Abfackeln mehr).

Mit freundlichen Grüßen

Anlage zum Schr. v. 18.06.2011

Erkelenz

Kläranlage senkt Energiekosten

VON ANDREAS SPEEN - zuletzt aktualisiert: 05.04.2011

Erkelenz (RPO).Die Erkelenzer Kläranlage kann jetzt elektrische Energie für den eigenen Bedarf produzieren. Eine Mikroturbine nutzt dafür Methangas, das bei der Faulung anfällt. Auf Gebühren und Umwelt wirkt sich das positiv aus.


erkelenzTiefbauamtsleiter Werner Spartz (r.) und Wolfgang Odenthal, der die Anlage wartet, stehen vor der neuen Mikroturbine im Erkelenzer Klärwerk. Momentan produziert die Turbine 1000 Kilowattstunden am Tag. Foto: RPO








In einer Kläranlage fällt bei der Faulung eine recht große Menge an Methangas an – in Erkelenz wurde dieses bislang genutzt, um Wärme für wiederum die Faulung zu erzeugen und um die Betriebsgebäude zu heizen.

Methangas, das zu viel vorhanden war, wurde abgefackelt. "Es hat sich um etwa die Hälfte des Gases gehandelt", erklärt Werner Spartz, der für den Abwasserbetrieb am Marienweg zuständige Tiefbauamtsleiter. Und er ergänzt: "Heute ist es den Menschen nicht mehr zu erklären, warum das Gas verbrannt wird."
Für Anschaffung und Installation einer Mikroturbine hat der Abwasserbetrieb 290 000 Euro investiert. Damit kann jetzt ein großer Teil des Methangases weiter verwertet werden. Werner Spartz rechnet vor: "28 Prozent werden in elektrische Leistung gewandelt, die die Mikroturbine verlässt.

Info

Wenig Aufwand
Wartung Einmal im Jahr muss die Maschine für einen Tag abgeschaltet werden. Solche Anlagen sind noch neu. Laut Stadt werden erst drei in Deutschland zur Verstromung von Klärgasen betrieben.
Abwasser Über zwei Zuläufe kommt an der Kläranlage das Abwasser aus den meisten Erkelenzer Orten an, nur die Region um Immerath, Wockerath, Holzweiler entwässert zum Niersverband.

Weitere zehn Prozent elektrische Leistung werden von der Maschine benötigt, beispielsweise für Nebenaggregate. Das Gas wird in der Anlage verdichtet und verbrannt, die heißen Abgase treiben ein Turbinenrad an, das über einen Generator Strom erzeugt. Außerdem werden die Abgase über einen Wärmetauscher zum Heizen beispielsweise der Faulung genutzt. Der Rest geht uns verloren."

Gebührenhaushalt wird entlastet


Der Abwasserbetrieb nutzt den Strom nur selbst, speist keinen ins Netz ein. Die Anlage deckt knapp 20 Prozent der elektrischen Leistung ab, die von der Kläranlage im Jahr benötigt wird. Bei weiterer Optimierung der Gasausbeute sind bis zu 35 Prozent möglich. "Gut 400 000 Euro haben wir bisher jährlich als Stromverbrauch einkalkuliert", erklärt Spartz. Dieser Betrag reduziere sich nun, was den Gebührenhaushalt des Abwasserbetriebs entlaste.

Die maximale Leistung bei der Erzeugung von elektrischer Leistung liegt bei 105 Kilowattstunden. Nicht immer wird diese erreicht, erklärt Diplom-Ingenieur Wolfgang Odenthal, der die Mikroturbine wartet: "Im Winter wird mehr Wärme als elektrische Leistung produziert, im Sommer umgekehrt."

Momentan produziert die Mikroturbine 1000 Kilowattstunden am Tag. "Das ist etwa im Wert von 200 Euro, würden wir diesen Strom hinzukaufen", sagt Wolfgang Odenthal. Werner Spartz rechnet das anders aus: "Jährlich wird mit dieser Anlage so viel Strom produziert, wie 100 Haushalte im Jahr benötigen."

Dass es beim Betrieb der Mikroturbine zu kritischen Situationen kommt, damit rechnet Wolfgang Odenthal nicht. Er erklärt: "Sollte es zu einem Problem kommen, schaltet sich die vollautomatische Mikroturbine automatisch ab." Die Kläranlage erhält dann Strom aus dem allgemeinen Netz.

 

Chancen für den Würmsee

Ostersonntag 2008: die Sonne lockte uns zu einem Spaziergang um den Würmsee. Und siehe, der viele Regen dieses Winters hatte auch etwas Gutes bewirkt, der Wasserstand des Sees war wieder so hoch wie in seinen besten Zeiten!

Aber es wissen alle, der See ist in Gefahr. In manchen Sommern droht er trocken zu fallen und nur durch Einpumpen von Grundwasser konnte bisher ein völliges Austrocknen verhindert werden. Das ist auf Dauer nicht zu bezahlen. Von offizieller Seite wird deshalb u.a. eine Vertiefung des Sees diskutiert. Ein Baggersee würde aber mit Sicherheit den derzeitigen Reiz des Gebietes zerstören, das mit seiner flachen, schilfbewachsenen Uferzone und seinem Moorseecharakter eines der schönsten Naherholungsgebiete in unserer Gemeinde ist.

Die WWB hat eine Idee!

Antrag der WEB/WWB vom 28.04.2008: Vorschlag zur Rettung des Naherholungsgebiet „Würmsee“/Kleinburgwedel und Entlastung des Wassergewinnungsgebiets Fuhrberg durch Einleitung der gereinigten Kläranlagenwässer.

Download: Antrag der WEB/WWB vom 28.04.2008


Dieser Antrag fand im Tiefbau- und Umweltausschuss keine Fürsprecher wegen eines angeblich zu hohen Schadstoffeintrags und der Keimbelastung des Sees durch die Wässer

Kommentar

Die WWB hatte die Stadt gebeten zu prüfen, ob nicht das geklärte Abwasser aus der geplanten zentralen Kläranlage für Burgwedel teilweise zur Auffüllung des verlandenden Würmsees genutzt und der Rest -statt wie bislang in die Hengstbeeke- in den Tiefenbruchsgraben geleitet werden kann. Davon könnte dann u.a. das Wassergewinnungsgebiet Fuhrberg profitieren.

Leider wurde die Idee vom Eigentümer des Sees (Realverband Kleinburgwedel) abgelehnt (hygienische Bedenken). Auch die Region äußerte sich negativ: „aus Sicht des Gewässerschutzes wird die Einleitung sowohl von ungeklärten als auch von geklärten Abwässern in Stillgewässern grundsätzlich abgelehnt“ (Keimbelastung, Nährstoffeintrag). Die Stadt Hannover ist in dieser Frage allerdings weniger sensibel: In den trockenfallenden Ententeich in der Eilenriede leitet der Zoo jährlich bis zu 120 000 m³ grob gereinigtes Brauchwasser der Robbenanlage.

Wir sind selbstverständlich davon ausgegangen, dass die Abwässer nach dem neuesten Stand der Technik geklärt werden, also nitratfrei (biologische Klärung) und nahezu frei von Phosphat (chemische Fällung) sind und keine Keime (UV-Filter) enthalten. Wir wissen bspw., dass die um den Vierwaldstätter See liegenden Gemeinden ihre in den See geleiteten Abwässer so gut klären, dass der See heute als Trinkwasserreservoir genutzt wird. Wir sind ferner davon ausgegangen, dass das Wasser in einem zumindest streckenweise offenen Graben dem See zugeführt wird (weitere Reinigung durch Selbstreinigung) und dass Zu- und Abfluss im See dicht nebeneinander liegen. Der See kommt dadurch nur mit dem Teil des „Abwassers“ in Berührung, den er zur Erhaltung eines gewissen Wasserstandes benötigt.

Wir kennen den Schadstoffgehalt der geklärten Abwässer der zukünftigen Kläranlage noch nicht. Es ist also müßig über evt. Belastungen der Wässer zu diskutieren. Unser Antrag auf Prüfung bezog sich auf die technische und finanzielle Machbarkeit des Projekts. Wir werden am Ball bleiben, denn die Alternative (Ausbaggerung des Sees) wäre für jeden Würmseefreund der Super-GAU

Die Rettung des Würmsees ist eine Sache. Mindestens ebenso wichtig war uns der positive Einfluss unseres Vorschlags auf die Wulbeck und das Wassergewinnungsgebiet Fuhrberger Feld. Auf diesen Aspekt ist die Stadt überhaupt nicht eingegangen. Weil die Idee von der WWB kam??? Wir halten unsern Vorschlag weiterhin für eine interessante Planungsvariante beim Bau der zentralen Kläranlage, auch wenn eine Auffüllung des Würmsees am Widerstand des Eigentümers scheitern sollte

Durch den Bau der zentralen Kläranlage wird möglicherweise der Bestand des Naturschutzgebiets Trunnenmoor gefährdet. Wir haben die Stadt auf die Gefahren aufmerksam gemacht und konstruktive Vorschläge zur Abwehr dieser Gefahr gemacht:


Folgen für das Trunnenmoor

Durch die Maßnahme gehen dem Grundwasserkörper, der das Trunnenmoor am Leben erhält, jährlich knapp 250 000 m³ gereinigter Abwässer aus der Kläranlage Wettmar verloren.

Das Trunnenmoor ist ein strenggeschütztes Naturschutzgebiet, in dem insbesondere verboten ist: Maßnahmen zur Entwässerung ... einschließlich genereller Absenkung des Wasserstandes durchzuführen (NSG-HA 47, §3, 2b). Durch ein Hauptgutachten ließ sich die Stadt die Unbedenklichkeit der geplanten Maßnahme für den Grundwasserstand im Trunnenmoor bescheinigen. Ein weiteres Gutachten kommt zu dem Schluss, dass sich die Situation für das Moor durch die Maßnahme sogar verbessert.

Wir haben die Gutachten durchgearbeitet. Unser Misstrauen hat sich bestätigt. Das Fundament des Hauptgutachtens hält keiner wissenschaftlichen Überprüfung stand. Es steht nicht im Einklang mit den Ergebnissen der geologischen Erforschung unserer engeren Heimat, widerspricht sich in Teilen selbst und steht nicht im Einklang mit dem gesunden Menschenverstand. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es sich um ein reines Gefälligkeitsgutachten handelt. Auch das 2. Gutachten weist gravierende Mängel auf. So wurde z.B. eine Wasserprobe aus einem angrenzenden Teich mit starkem Fischbesatz analysiert, um den Schadstoffeintrag durch den Zuflussgraben zu dokumentieren.

Brief vom 15.10.2008 an den Bürgermeister der Stadt, in dem auf die Gefahren der Ableitung der Abwässer Wettmars nach Großburgwedel für das Naturschutzgebiet Trunnenmoor hingewiesen wird

Download: Brief vom 05.10.2008

Auf dieses Schreiben haben wir keine Antwort erhalten.